Europa - Du hast die Wahl


Europa

Du hast die Wahl

Hier ein paar Anmerkungen zu Europa: Europa ist eine Prinzessin aus Tyrus, einer Stadt, die heute im Libanon liegt. In die – so der griechische Mythos - verliebt sich Zeus. Der Göttervater will sie haben.

Er verwandelt sich in einen weißen Stier. Der nähert sich der Prinzessin, als sie mit ihren Freundinnen am Strand spielt. Das Tier ist zutraulich und nimmt Kontakt zu Europa auf. Die klettert schließlich auf den Rücken des Stiers. Der geht ins Wasser und schwimmt hinüber nach Kreta.

Da verwandelt er sich zurück in Zeus. Und hat mit der Prinzessin drei Kinder.

Europa kommt also aus dem Gebiet des heutigen Libanon und ist nach Kreta entführt worden. 

Von den anderen Taten wollen wir gar nicht reden! 

Der Nahe Osten ist die Wiege unseres Kontinents. Eine Migrantin wird zur Namensgeberin für ihn. Und wem das nicht reicht: Jesus war auch schon mal in europäischem Kernland. Er machte nämlich eine Reise nach Tyrus, wie wir in Mk 7 lesen.

Wie es mit Europa weiter geht, steht aktuell zur Wahl. Wird behauptet. Man kann am Sonntag aus einem Angebot von über 30 Parteien wählen.

Und hier kommt – eiskalt politisch unkorrekt – meine Wahlempfehlung: 

 

1. Nach der Wahl ist vor der Wahl

Insgesamt gesehen darf ich auch nach der Wahl für das eintreten, was mir wesentlich ist. Ansonsten wirkt die Weisheit: Wer seine Stimme abgibt ist sie los!

Schweigen kann manchmal eine angemessene Antwort sein. Stimmlosigkeit jedoch wird in der Regel logopädisch behandelt. Es kann ja nicht sein, dass ich nur alle paar Jahre meine Stimme abgebe. Und das auch noch geheim. Und das war es dann mit meiner Verantwortung. 

Nee, nicht noch ein Apell für Zivilcourage! Es ist mehr eine Frage: Gibt es Werte, für die es lohnt, den Mund aufzumachen? Wofür stehe ich ein? Zu welcher Art von Gemeinwesen möchte ich gehören?

Fragen über Fragen.

 

2. Chance 2000

Der Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief war das Enfant terrible der bundesdeutschen Theaterszene. Im Jahr 1998 gründete er eine Partei mit dem Namen Chance 2000, die auch zur Bundestagswahl zugelassen wurde. 

Darin gab es den Slogan „Wähle dich selbst“. Man konnte sich selbst als Direktkandidat aufstellen lassen. 2000 Unterschriften aus dem Wahlbezirk waren ausreichend für die Zulassung.

 

Eine Provokation für alle etablierten Parteien. Die wurde von Schlingensief zugleich auch als Chance verstanden, gehört zu werden und mitwirken zu können. Gerade für Menschen am Rand der Gesellschaft.

Nebenbei für Menschen in Bielefeld: Der Soziologe Niklas Luhmann soll damals eine Unterstützer-Liste unterschrieben haben.

 

3. Wähle dich selbst

Wozu erzähle ich das hier? Der Gedanke hat mich schon damals fasziniert. Was wäre, wenn ich mich selbst wähle? Und damit zu mir stehe? Und Verantwortung übernehme.

Es gibt einfach zu viel im Leben, dass du nicht delegieren kannst. Dich selbst zum Beispiel. Deine Unverwechselbarkeit wird gebraucht. Insofern ist der Entschluss, mit sich selbst eine WG aufzumachen, schlüssig. Sich selbst wählen ist eine Haltung. Meine Werte entspringen aus meinem Wert. Ich anerkenne meine Einzigartigkeit. Gott macht es sowieso.

 

Das Projekt von Schlingensief endete mit der Auflösung der Partei nach nur wenigen Jahren. Das Parteiprogramm jedoch bleibt relevant: Menschen ohne Stimme und am Rande der Gesellschaft sollen gehört werden.

 

Die Einladung zur Wahl bleibt bestehen. 

Man darf in sich das Imperfekte, Bedürftige, den Hunger und den Durst nach Lebendigkeit so anerkennen, dass diese vermeintlichen Schwächen als Stärke aufleuchten.

 

Jesus predigt darüber. Auf einem Berg – also nah am Himmel – erklärt er die Nähe zum eigenen Selbst für Glückseligkeit. 

Welche Ausstrahlung zu entdecken: Meine eigene Sehnsucht nach Barmherzigkeit wird gestillt, indem ich barmherzig bin. Hunger und Durst nach wahrer Gerechtigkeit – und ich werde satt. (Mt 5,6+7)

Selbst Friede lässt sich nicht delegieren. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9).

 

Dazu habe ich eine Wahl.

Nach der Wahl geht es erst richtig los. Ich lebe, was mich einzigartig macht. Und man kann sich damit auch vergesellschaften. Also mit anderen zusammentun, die das auch leben wollen.

 

Schlingensief hat, so wie es scheint, so gelebt. Er starb mit 49 Jahren. Der Krebs war zurück gekehrt und hatte gesiegt.

 

Ein Jahr vor dem Tod beginnt er mit autobiografischen Aufzeichnungen. Die werden unter dem Titel „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein.“ als „Tagebuch einer Krebserkrankung“ veröffentlicht.

 

Schlingensief hatte verstanden: Dieses Leben lässt Dir die Wahl. Das hat er in vollen Zügen gelebt.

„Wie im Himmel, so auf Erden“ betet Jesus im Vaterunser. 

Damit die Glückseligkeit nicht vertagt wird.

 

Wähle dich selbst. 

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