Die schönste Ostergeschichte - nach Hause gehen


Die schönste Ostergeschichte

Nach Hause gehen

 

Die Zwei, von denen hier erzählt werden soll, gehen nach Hause. In den kleinen Ort Emmaus, 60 Stadien – so ein Maß aus dem Altertum – von Jerusalem entfernt.

Eventuell kennst Du sie. Sie haben soviel zu besprechen, dass sie nur nach unten schauen. Schwere Gedanken führen oft dazu. Gebeugt von den Ereignissen und Berichten in Jerusalem.

Man reiste damals möglichst nicht allein. So ging noch jemand mit, ganz normal. Es ist Jesus selbst, den sie nicht erkennen.

„Was sind das für Geschichten…?“ fragt er. Und sie erzählen alles, die ganze Trauer, enttäuschte Hoffnung. Und Jesus hört sich alles an. Als hätte er das noch nie gehört!

 

60 Stadien lang.

Das sind so zwischen 10 und 12 km. Der ganze Frust. Während sie gar nicht merken: Jesus geht mit.

 

Karfreitag, Karsamstag,… dann noch: Leichendiebstahl (vgl. Joh 20,5)

 

60 Stadien Aufarbeitung. Der hebräische Buchstabe samech (60) steht zugleich für die Bedeutung „Wasserschlange, Drachen“. Was für ein Weg durch das Dickicht diabolischer Halbwahrheiten. Man kommt nicht ans Ende. Oder gleich mal in die Gegenwart übersetzt: „hätte hätte Fahrradkette“. „Wir dachten doch, der würde Israel erlösen“ Jetzt ist auch noch sein Leichnam verschwunden!“(Lk 24,21.23)

 

Meine Katastrophen

Die Vergangenheit ist zwar vergangen. Und zugleich hole ich sie immer wieder raus. Als könnte ich sie dann ganz verstehen oder verändern. Das passiert aber nicht.

Ja, es gibt einen Katastrophentourismus der sich alles noch einmal anschaut, was im eigenen Leben „falsch“ gelaufen ist. Und es geschieht: Nicht Du hast die Vergangenheit, die Vergangenheit hat dich! Da kann man lange laufen.

Und doch ist es eine Geschichte für Jünger und Jüngerinnen. Jesus geht mit. Welche Chance auf eine neue Sichtweise, auf die Katastrophe schlechthin. Jesus ist tot. Und sein Leichnam wurde auch noch gestohlen. Und ein paar Verwirrte sprechen von Auferstehung! Das ist die Katastrophe.

 

Wann ist es genug mit dem Tourismus zu den eigenen Absturzstellen? Verletzungen und Narben. Manchmal hat man gar nicht mitbekommen, dass es so schmerzhaft war.

60 Stadien, der ganze Weg prägt sich durch eine Sicht auf die Dinge, die aussichtslos ist.

„Enttäuschung ist das Ergebnis falscher Erwartungen“, sagt dazu die Kluge-Kalender-Sprüche-Abteilung.

Stimmt zwar, bringt nur nicht weiter.

 

Die Worte des Fremden, Jesu Worte, stellen alles in den großen Zusammenhang des Handeln Gottes. „Musste es nicht so geschehen…?“ Langsam verwandelt es sich.

So werde ich erinnert an ein Lied aus der ESG: „Aus Deinem Mund höre ich das schönste Liebeslied…“ Von der Katastrophe zurück zur Strophe. Welcher Klang der Worte, der den Nebel der Gedanken lichtet.

 

Burning men

Später dann versteht man: "Brannte nicht unser Herz, wie Jesus mit uns redete und die Schriften auslegte?" (V.32) Feuer war schon immer ein Bild des Heiligen Geistes. Niemand muss sich verheizen, dass andere es warm haben. Wohl aber lohnt es, sich selbst entzünden zu lassen. Burn in statt Burn out. Zeit für Liebeslieder. Welcher Klang, welche Melodie! Und es verwandelt sich.

 

Irgendwann checke ich vielleicht: So möchte ich immer unterwegs sein! "Da bleib doch gleich mal über Nacht, Fremder!" Gemeinsam was essen, reden und vom Weg ausruhen.

 

Man isst noch was zusammen. Brot ist immer dabei. Grundnahrungsmittel. Gabe vom Himmel und von der Erde. Brot ist dazu da, gegessen zu werden. Ein Segen: Das Brot wird gebrochen. Ein Teilen und Mitteilen als tiefer Dank für die Gabe des Lebens.

Wieder klingt das Lied in mir: .... an Deinem Tisch wird mein Hunger gestillt...

 

Und plötzlich erkennen die Gebeugten Jesus, der neu zustande gekommen ist.

An einem Ort mit dem Namen Emmaus. Was "warme Quellen" heißen soll. Wie ein Symbol für den Ressourcencheck. 

 

Aufbruch

Es ist Zeit für einen Aufbruch. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie den Weg nach Jerusalem zurück gehen. Oder vielmehr hin-gehen. Neues Ziel: Vom Weg der Verwandlung, über den Quellort zurück zu den anderen nach Jerusalem.

Ich kann mir keine Müdigkeit mehr bei den Beiden vorstellen. Das müssen die anderen sofort erfahren.

Die Auferstehung Jesu hat mit Aufbruch zu tun. Schöpfung statt Erschöpfung. Für Gott kein Problem. Mit Jesus erschafft er den neuen Himmel und die neue Erde. Was für eine Verheißung!

 

Was in mir müsste denn mal aufbrechen? Dass Platz ist für Verwandlung durch hören, beten, essen?

Seitdem ist die Feier der Auferstehung Jesu in der Welt. Und das Erkennungszeichen aller Christinnen und Christen weltweit. Sonntag ist der Tag des Aufbruchs. Das Grab wird aufgebrochen, Enttäuschungen werden aufgebrochen. Bis Platz ist für neues. Für den Aufbruch nach Hause.

Und wo ist das? Vielleicht genau da, wo wir miteinander die Auferweckung feiern. Fürchtet Euch nicht! Hören wir als Ostergruß am offenen Grab. Bis sich meine Geschichte verwandelt zu Jubel und Aufbruch: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“

 

Frohe Ostern!

 

Und schreib mal, wie Dein Aufbruch aussieht. :-)

Foto: pixabay
Foto: pixabay

Hier findest du noch weitere Blogeinträge von uns.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0