Mach dir keine Sorgen! - Wo ist mein Platz? - Teil I


Mach dir keine Sorgen!

Wo ist mein Platz?

 

Hast du einen Platz, einen Ort, an dem Du gerne bist? Manchmal muss man ja nachdenken, um Entschlüsse zu fassen. Oder, um zur Ruhe zu kommen, Abstand zu gewinnen.

Oder beim Lernen. Manch einer stellt seinen Laptop in der Bib auf. Denn hier ist schon das ganze Setting auf Lernen ausgerichtet.

 

Dafür braucht man einen oder auch verschiedene Plätze.

Einen Platz haben ist wesentlich.

Der Platz Jesu ist der Berg. Dahin geht er, um seine Gottesbeziehung zu zeitigen – also zu beten. Und dahin geht er, um seine Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, also seine Jünger.

 

Berg steht für einen Ort besonderer Nähe zu Gott.

Die Zehn Gebote zum Beispiel wurden auf dem Berg Sinai aufgeschrieben.

Gedanken und Orte haben oft einen Zusammenhang. Manch einer kann in einer Kapelle anders mit Gott und sich in Kontakt sein als auf dem Sofa.

Jetzt also: Berg.

Jesus setzt sich und redet. Es ist eine Unterrichtseinheit für seine Jünger und als Bergpredigt ist sie sozusagen viral gegangen.

 

Was also gibt es zu lernen?

Ich persönlich finde: Ich muss darin vorkommen; es muss mit mir zu tun zu haben. Dann macht es Spaß zu lernen.

Komm‘ doch heute mal vor! Wortspiel. Mit Deiner Geschichte.

Die kannst Du in die Worte Jesu halten. Hier liest Du einen Abschnitt aus Mt 6, 25-34:

25 »Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um das, was ihr an Essen und Trinken zum Leben und an Kleidung für euren Körper braucht. Ist das Leben nicht wichtiger als die Nahrung, und ist der Körper nicht wichtiger als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel[16] an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte[17], und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern[18]? 28 Und warum macht ihr euch Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Lilien auf dem Feld an und lernt von ihnen! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne zu spinnen und zu weben. 29 Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn Gott die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden[19], so herrlich kleidet, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern, ihr Kleingläubigen? 31 Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um diese Dinge geht es den Heiden, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht. 33 Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. 34 Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt.[20]« Mt 6, 25-34

 

Geh nach draußen

Jesus ist der erste Naturcoach; bei Sorgen – und wer könnte von sich sagen, damit nichts zu tun haben – schickt der die Leute nach draußen. Also, die da waren draußen. Heute muss ich erst rausgehen, wenn ich Kontakt zu Pflanzen, Tieren, Wind und Wetter haben möchte.

Wozu?

Man könnte es Aneignung nennen. Schau mal, was schon da ist und wie es funktioniert?

Vögel z.B. beschäftigen sich nicht mit Landwirtschaft oder Gärtnern oder Vorratshaltung. Werden aber trotzdem satt. In der Schöpfung kann ich das Wirken des Schöpfers erkennen. Kleidung ist auch wichtig. Manchmal soll sie zum Ausdruck bringen, wie ich gesehen werden möchte. Heißt ja umgekehrt: Sie ist die Außenseite der Identität.

Lilien allerdings stellen alles an Schönheit in den Schatten. Selbst König Salomo, dem voll die Pracht nachgesagt wurde, ist im Vergleich ziemlich blass.

Du bist viel mehr als Blumen und Vögel. Und der Vater im Himmel weiß, dass wir das alles brauchen.

 

Ganz sein

Die Erfahrung, Teil des Ganzen zu sein, kann meine Seele zur Ruhe führen. Für Gott gehörst Du ins Gesamtprogramm des Universums. Der intergalaktische Raum, Sterne und Planeten, das Geheimnis der dunklen Materie und Energie (80% der Materie im Weltraum ist noch unbekannt!), aber auch der Grashalm und die Ameise sind vom Schöpfer des Universums geschaffen. Ich und Du ebenso. In der Schöpfung kann ich eine Erfahrung von Ganzheit machen.

Graben wir ein bisschen tiefer, gibt es zu entdecken: das hebräische Wort für fromm sein, TAM, heißt auch Ganz-sein.

Wie also werde ich ganz? Wie wird alles so integriert, dass es einfach sein darf? Und einfach so gelassen wird? So ist es in der Schöpfung: Ich werde gelassen. Und auch gelassen, wie ich bin.

 

Die Alternative ist oft schrecklich. Nichts ist gut genug. Ich muss mich optimieren und verbessern. Bringt nur nichts gegen Sorgen.

Du bist wahrscheinlich nicht perfekt. Und, das musst Du auch nicht.

Allerdings bist Du einzigartig. Ganz andere Liga. In dieser Einzigartigkeit bin ich Teil des Ganzen. Das zu erfahren ist wunderbar.

Die Erfahrung von Ganzheit ist eine Schöpfungserfahrung. Ich bin ein geliebter Teil von allem. Und Gott weiß, was ich brauche.

 

Werde Mystiker

Die folgende Legende versucht das Gemeinte deutlich zu machen: Als Gott die Welt erschuf, schauten ihm fünf Engel zu. Der erste fragte: „Wie machst Du das? Der zweite: „Warum machst Du das?“ Der dritte: „Kann ich Dir helfen?" Der vierte: „Was ist das Ganze wert?" Der erste Engel war Wissenschaftler; der zweite Philosoph; der dritte Altruist; der vierte Immobilienhändler. Aber da war noch ein fünfter Engel. Der sah voller Staunen dem lieben Gott zu und klatschte aus reinem Entzücken und höchstem Vergnügen Beifall. Das war ein Mystiker!

Welche Erfahrung, ins Staunen zu kommen über alles, was schon da ist und wie es als Schöpfung ein Geschenk Gottes ist. Und ich mit ihm.

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Die „Gott-kann-gehen-Challenge“

In einem Cartoon habe diesen Dialog gesehen:

Zwei Wissenschaftler diskutieren mit Gott:

„Hallo Gott!

Wir haben alle Rätsel und Geheimnisse gelöst….

…wir brauchen dich nicht mehr.“

So.

„Trittst du ab, wenn wir einen Menschen aus Erde schaffen?

So wie du in 1. Mose 2,7“

Einverstanden

Dann fangen die Wissenschaftler an, mit Schaufeln Erde in ihre Eimer zu füllen. Und Gott spricht:

„Halt! Doch nicht mit meiner Erde! Ihr müsst schon eure Erde nehmen!“

 

Wie funktionieren Sorgen?

Schauen wir kurz mal, wie Sorgen funktionieren.

Ich nenne sie mal „die befürchtete Zukunft“. Da kann alles passieren. Und auf alles setzen sich dann Sorgengedanken. Dennoch ist uns die Zukunft komplett entzogen. Niemand von uns weiß, was morgen passieren wird. Und das ist noch ein ziemlich kleiner Zeitraum. Die befürchtete Zukunft tritt eben oft nicht ein. Hat mich aber gerade mal meine Gegenwart gekostet. Das kann es ja auch nicht sein.

 

Wende der Zukunft den Rücken zu

Jesus sagt: „Der nächste Tag wird für sich selber sorgen“ 

Was kann ich konkret tun, wenn Sorgen sich in mir breit machen wollen?

 

Vom dänischen Philosophen Sören Kierkegaard stammt folgendes Bild: Mach es wie der Ruderer. Der Zukunft den Rücken zukehren. Sich auf die Gegenwart konzentrieren, um so in die Zukunft zu gelangen.

Kierkegaard vergleicht den Menschen mit einem Ruderer, der in einem Boot sitzt und auf das Meer hinausfährt. Der Ruderer hat ein Ziel vor Augen, das er erreichen will, aber er muss sich von dem Ufer abwenden, das ihm Sicherheit und Geborgenheit bietet. Er muss also der Zukunft den Rücken zukehren, um vorwärts zu kommen.

 

Sorry, sorrows

So oder so: Wir sind nicht für Sorgen geschaffen; und müssen uns auch gar nicht mit ihnen abfinden. Auf dem Berg lehrt Jesus, wie das Leben gelingt. Und ich habe einen Platz in allem, natürlich. Und ich halte meine Geschichte in seine Worte, bis es ganz und gar in mir klingt: Macht euch keine Sorgen, mach dir keine Sorgen.

 

Foto: unsplash
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