Waldkirche - Wie die 5. Himmelsrichtung hilft, den eigenen Weg zu finden


Waldkirche

Wie die 5. Himmelsrichtung hilft, den eigenen Weg zu finden


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 Ja, im Teutoburger Wald, so Richtung Senne raus, gibt es eine besondere Kirche. Sie ist mitten im Wald, hat keinen Strom, keine Heizung, keine Wände und vor allem auch kein Dach.

Klingt nach sehr ökologischen Standards. Sie wird Waldkirche genannt. Findet man sogar so im Navi. Kanzel, Altar, Kreuz, Bänke, sogar eine Glocke ist vorhanden.

Maximale Deckenhöhe

Wer diese Kirche betritt, macht interessante Erfahrungen. Einfach noch einen Schritt weiter gehen – schon bist Du drin. Offen für andere. Und – das finde ich besonders faszinierend: Maximale Deckenhöhe! Du stehst da, schaust nach oben: Nichts als Himmel. 

Eine Kirche betreten – und ich bringe mich selbst schon mit.

Was ist denn da am Ende der Vorlesungszeit in und bei mir, was einen besonderen Raum braucht? 

Im Osten, Süden, Westen, Norden – die vier Himmelsrichtungen helfen zur Orientierung bei der Frage: Wo geht es lang?

Was suchst Du?

Und doch: Manchmal scheint es nicht zu reichen. In keiner Himmelsrichtung taucht eine Lösung auf für das, was ich wirklich suche.

Jetzt aber Waldkirche. Hier gibt es die unmittelbare Erfahrung der fünften Himmelsrichtung. Nach oben. 

Im Deutschen ist Himmel sowohl die Atmosphäre mit ihren Schichten bis in den Weltraum. Und zugleich – wie weise – der Ort des Ewigen.

Die fünfte Himmelsrichtung als Perspektive für scheinbar Unlösbares. Deshalb lehrt Jesus beten, indem er sagt: „wie im Himmel zu auf Erden“ (vgl. Mt 6,10). Die Perspektive Himmel als Zukunft der Erde!

Was für eine Ansage!                                                     

Auch wenn man gerade nicht in der Waldkirche ist: Man kann zwischen UHG (Universitätshauptgebäude) und Mensa nach oben schauen: Der Himmel ist für dich offen. Sogar zwischen Klausur und Mittagessen. Und er bleibt es auch.

Ob Dir also das eine oder das andere schmeckt: Egal! Himmel toppt alles, was gerade passiert, passiert ist, passieren könnte, passieren sollte. Nenn es, wie Du willst.

So gesehen bietet sich die 5. Himmelsrichtung für so ziemlich alles an, was eine Lösung braucht. Oder Erlösung.

Segen von oben

Am Ende eines jeden kleinen Gottesdienstes in der ESG stehen wir im Kreis, strecken die nach oben offenen Hände aus - die linke Hand jeweils, weil von Herzen – und bitten um Segen. Also um alles Gute vom Himmel. 

Und schau mal, was dich da schon erreicht hat! Von dem der Himmel und Erde geschaffen hat.

Dann jetzt noch kurz was zu Erde:

Ein Mensch, unter dem offenen Himmel und gut geerdet wie ein Baum an einem Wasserlauf, findet sich in Psalm 1 als Bild für ein Leben, das gelingt. Na also. Die Waldkirche lässt grüßen.

Und zu Psalm 1 hat Dorothee Sölle ein Gebet formuliert, in dem Erde und Himmel zusammenkommen. Genau, was ich brauche.

Du hast mich geträumt mein Gott, 

wie ich den aufrechten Gang übe 

und niederknien lerne 

schöner als ich jetzt bin 

glücklicher als ich mich traue 

freier als bei uns erlaubt 

Hör nicht auf mich zu träumen Gott 

ich will nicht aufhören mich zu erinnern 

dass ich dein Baum bin 

gepflanzt an den Wasserbächen des Lebens

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

Foto: U. Melzer
Foto: U. Melzer

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