Das Jüngste Gericht
Wie es wirklich ist
Klicke auf den Pfeil, um das Audio abzuspielen:
Das hier ist die Geschichte des Jüngsten Gerichts. Was ist das überhaupt? Worum geht es?
Und weil es schon um Gericht geht, kommt auch gleich ein Geständnis. Von mir. Ich mag Filme, in denen es so richtig zur Sache geht. Die haben meist ein bestimmtes Muster:
Ein einsamer Held steht für Wahrheit und das Gute. Das gefällt jedoch irgendwelchen Bösen nicht. Warum? Ist an sich egal. Sie machen ihn platt. Er wird nach allen Regeln der filmischen Kunst zerlegt.
Jetzt siehst Du ihn vielleicht schon blutend auf dem Asphalt liegen. Die Ladung, die er abbekommen hat, reicht mindestens für 2xmal sterben.
Ich denke „…eiße! Das war doch einer von den Guten!“
Aber er lebt noch. Das habe ich gesehen, weil das eine Augenlid minimal gezuckt hat.
Drei Monate später ist er wieder zurück. Und er nimmt an seinen Feinden Rache. Er holt das ganze große Besteck raus und macht sie endgültig fertig.
„Na also, das habt ihr jetzt davon!“ denke ich.
Bei solchen Filmen breitet sich in mir am Ende ein gutes Gefühl aus. Dass es noch Gerechtigkeit gibt, wie schön! (Wer einen Filmtipp braucht – einfach melden)
Geständnis nenne ich das, weil ich ansonsten Gewalt als Lösung von Konflikten natürlich ablehne! Das geht ja gar nicht! Ich habe sogar mal eine Ausbildung in Deeskalation gemacht. Schon wieder ein Geständnis.
Menschliche Gerechtigkeit – Gottes Gerechtigkeit
Menschen müssen nicht logisch sein. Konsequent inkonsequent ist auch möglich. Was meistens so ist. Heißt in Bezug aufs Thema: Ich fordere Gerechtigkeit. Gemeint ist häufig: Gerechtigkeit, wie ich sie verstehe. Wie sie mir passt.
In der Tradition steht dafür Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit. Ihr Bild hat sich durch Einflüsse entwickelt. Statt ausgleichender Gerechtigkeit, kam mehr die strafende Gerechtigkeit in den Vordergrund.
Diese Vorstellung hat sich bis heute erhalten.
Iustitia hat immer ein Schwert (Recht wird durchgesetzt), eine Waage (abwägen aller Fakten) und die Augenbinde (ohne Ansehen der Person). Das Recht gilt für alle gleich.
Zu tausenden steht sie in dem Outfit vor den Gerichtsgebäuden hier und in der ganzen Welt. Jedenfalls da, wo traditionell dieses Rechtskonzept angewendet wird.
Spüre einmal kurz nach: Anders kann man sich das mit dem Recht doch an sich nicht vorstellen. Oder?
Das hatte in der Geschichte Folgen: Als eine Bibelübersetzung vom Hebräischen (Sprache des sog. Alten Testaments) ins Griechische entstand, hat man halt griechische Worte für hebräische genommen. Was sonst?
So wurde z.B. aus dem Wort Thora – heißt Weisung zum Leben – in der Übersetzung Nomos, d.h. Gesetz. Schon kam diese strafende Gerechtigkeitsvorstellung in die Bibel.
Die Folgen sind weitreichend: In der Bibel lesen wir seitdem Gesetz, wo Thora steht. Und meinen, die Vorstellung von strafender Gerechtigkeit wäre identisch mit der Gerechtigkeit Gottes.
Wie komme ich wieder ins Lot?
Gott kann sich aber auch gut selbst mitteilen. Nicht wir legen fest, wie Gerechtigkeit theologisch verstanden wird. Das kann der Ewige schon selbst. Und damit auch, wie Gericht gehalten wird.
Unrecht/Verbrechen – Gericht/Urteil – Strafe: Wie sollte es sonst sein?
Sieht man das Gericht Gottes aus menschlicher Sicht an, dann muss Gott strafen, um einen Ausgleich zu schaffen. Oder sollen alle diese Despoten einfach so durchkommen?
Wie aber kommt die Welt wieder ins Lot?
Das Prophetenwort von Jes 53,3 zeigt einen Weg. Es wird vom Menschensohn (Hinweis auf Jesus) gesprochen, der misshandelt und getötet wird. Und in dem Zusammenhang heißt es: „Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten.“ Man kann aber besser mit Tatfolgen (statt Strafe) übersetzen.
Jesu Weg ans Kreuz ist die freiwillige Selbsthingabe aus Liebe. Er übernimmt die Tatfolgen von verfehlten Freiheitsgeschichten. Ein anderes Wort für unsere Selbstverkrümmung, in der Tradition Sünde genannt.
Bei der letzten Taufe in der ESG hat sich der Studierende folgenden Taufspruch ausgesucht:
„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ 1. Joh 4,18[1]
Jenseits der Fixierung auf Schuld und Versagen gibt es einen Weg, frei und lebendig durchs Leben zu gehen. Ohne Angst vor Strafe.
Wie Gott richtet, uns wieder ins Lot bringt/aufrichtet/ausrichtet ist von menschlichen Vorstellungen zu unterscheiden.
Das Jüngste Gericht
Das Jüngste Gericht ist in diesem Sinne das letzte Gericht. Der/die Jüngste ist immer der/die letzte in der Familie. Und das Jüngste Gericht geschieht je neu, indem ich das Evangelium höre:
„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.“ Joh 3,17+18
Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Christen und Christinnen besinnen sich auf Jesu Leidensgeschichte, seinen Tod, bevor an Ostern dann seine Auferstehung gefeiert wird.
Manche verzichten auf bestimmte Dinge. Was will ich sein lassen?
Hier mein Vorschlag:
1. Ich lasse Gott so, wie er ist. Jesus Christus ist Sohn Gottes, d.h. die Zukunft Gottes bei uns Menschen.
2. Ich lasse die Versuche, mich selbst ständig zu verbessern, damit der Ewige mich gut findet.
3. Ich gehe ins Gericht. Gottes Heilsgericht, dass ich wieder ins Lot komme. Denn Gott ist Liebe. (1. Joh 4,16) Aus seiner Liebe heraus bringt er Menschen zurecht. Ich kann aufrecht und frei durchs Leben gehen.
Aschermittwoch beginnt mein Umdenken. Dass ich wieder ins Lot komme.
[1] Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz; ´Gottes` vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Angst hat man nämlich dann, wenn man mit einer Strafe rechnen muss. Wer sich also noch ´vor dem Gericht` fürchtet, bei dem ist die Liebe noch nicht zum vollen Durchbruch gekommen.
19 ´Der tiefste Grund für unsere Zuversicht liegt in Gottes Liebe zu uns:` Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. (aus: neue Genfer Übersetzung) 1. Joh 4,18+19

Hier findest du noch weitere Blogeinträge von uns.

Kommentar schreiben