Weihnachten - mal ganz einfach
Gott kann Mensch!
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Der Hausmeister einer Kirchengemeinde im Rheinischen war praktisch veranlagt.
Am 1. Dezember stellte der einen Baum in die Wohnung, schmückte ihn: Fertig.
24 Tage später dann das ganze rückwärts: Schmuck und Lichterkette runter, Baum raus. Erledigt.
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Ach wie herrlich einfach! Ich dagegen überlegte: Welche Weihnachtstradition passt zu mir? Von den vielen, die es gibt.
Huschen statt Hektik
Der 24.12. jedoch kommt unerbittlich näher. Die anderen sind offenbar gut organisiert. Huschen von A nach B, um letzte Dinge zu kaufen. Ganz ohne Hektik.
Wie also durchfinden zwischen dem, was zählt? Und dem Rest.
Dazu hier und heute ein ultimativer Weihnachtstipp für alle, die an Weihnachten leiden aber auch nicht davon loskommen:
Kauf Dir eine Krippe und stell sie zu Weihnachten auf. Noch ein paar Figuren hinein. Also die üblichen. Fertig.
Geht auch schon am 1.12. (dann eben im nächsten Jahr)
Und dann: Setz dich davor und betrachte sie.
Die Erfindung der Weihnachtskrippe
Krippen gibt es seit 1223. Also 800 Jahre. Und wurden von Franz von Assisi erfunden. Man sieht das Jesuskind, Maria, Josef, Hirten, Engel – Ochs und Esel. Manchmal auch schon die Weisen aus dem Morgenland auf der Anreise. Wieso sie so spät sind? Zwischendurch dem falschen Stern gefolgt? Oder sind sie mit der Bahn unterwegs? Lassen wir das.
Franz von A. stellte damals die Szene mit lebendigen Menschen auf. Tiere, alles dabei. Er war der Auffassung, dass man in solchen Darstellungen das Evangelium besser verstehen könne.
Gut, nicht jeder hat genügend Platz im Wohnzimmer. Und Futter für die Tiere. Und Darstellerinnen. Und wer kommt als Baby in Frage? Wird ja nur selten verliehen.
Angenommen, das wäre es schon: Krippe und fertig – wie dann weiter?
Ich schaue in diesen Futtertrog und höre die Worte aus Lukas 2: „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“
Und ich sitze vor der Krippe und schaue. Ein Baby, Windeln. Das war’s.
Ich sehe die Figur im Futtertrog. Jesus als Baby.
Gedanken stellen sich ein: Jesus trägt Windeln, trinkt auch an der Brust seiner Mutter. Das Baby ist zu 100% angewiesen; es ist geradezu schwach und verletzlich. Ein Säugling ist zum Liebhaben und ein Zeichen des Liebhabens.
Und ja: In mir rührt das auch was an.
Dass Gott Gott kann, hatten wir schon so ein bisschen gewusst. Dass Gott auch Mensch kann…. bringt einiges durcheinander. Und das ist noch vorsichtig formuliert.
Panik in der Hauptstadt: Herrschaftswechsel
Die Weisen aus dem Morgenland fragen im Palast in Jerusalem nach: Wo ist der neugeborene König? Daraufhin ist König Herodes erschrocken – und mit ihm die ganze Hauptstadt.
Dass Gott Gott kann, passt schon. Dass Gott auch Mensch kann… Hilfe! Herodes sieht seine Herrschaft wackeln (vgl. Mt. 2, 2+3).
Hatte er sich doch irgendwie selbst ein bisschen für Gott gehalten. Ein Mann, dessen Name „Halbgott“ bedeutet (Herodes von griech. Heros), ist gewohnt zu herrschen. Und doch ahnt er vom Ende seiner Herrschaft.
Dass Mensch Gott kann, hat noch nie funktioniert. Dass Mensch Mensch kann, leider oft ebenfalls nicht.
Und jetzt der Säugling im Futtertrog: Genau genommen totale Abhängigkeit! Er sucht die Nähe und Nahrung. Und ist – wie passend – selbst in einem Futtertrog. Als wäre er selber Nahrung. Was für ein Bild!
Jesus als Baby ist radikales JA. Hier sehe ich den wahren Menschen.
Du musst also nicht Gott spielen mit allem, was man meint an Weihnachten noch vorweisen zu müssen: Heile Familie, lecker Essen, schöne Geschenke, Friede auf Erden.
Ob ich als Mensch auch Mensch kann – mehr muss es gar nicht sein. Ob ich noch Platz habe für Gott als Mensch? Das ist die Frage!
Was ist das für eine neue Herrschaft in der Welt? Angst vor einem Baby, das der neue König ist. Und ich kann nichts machen. Außer endlich mal abrüsten.
Mit wem willst Du hier kämpfen? Und um was? Herodes versucht es noch mit der Ermordung von Babys und Kleinkindern. Wie schrecklich und wie armselig. Und längst zu spät (vgl. Mt 2,16).
Seelisch: Wen willst Du hier beschuldigen oder hassen für alles, was Dir passiert ist im Leben? Manch einer denkt schon daran, wie es mit dem Kind im Trog weitergeht. Unbedingte Liebe? Genau! Aber von der Krippe bis zum Kreuz.
Geistig: Was soll bei mir künftig gelten? Angesichts von Gott als Baby? Hier zeigt sich bedingungslose Liebe; Gott kann Mensch.
Und ich würde es auch so gerne sein:
zwischen Huschen und Hektik,
Schein statt Sein,
zwischen Panik und Paketdienst,
Kitsch und Klingeling.
Gott kann Mensch.
Was wäre also zukünftig mein Weihnachten?
Der dicke rote Mann, der mit einem Lastwagen voller koffeinhaltiger Brause durch die Stadt fährt – am liebsten, während es schneit: Hat der jemals was verändert?
Hat je einer gehört, dass in der Weihnachtsbäckerei was ganz Neues in die Welt kam? Genau! Glückskekse ohne Mindesthaltbarkeitsdatum oder so was?
Ein letztes Mal wehre ich mich: „Ist ja nicht alles schlecht an mir!“, möchte ich rufen. Natürlich nicht! Und schon fängst Du wieder an, Hektik zu verbreiten. Insbesondere mental. Also: Kontrolle. „Wäre ja noch schöner, wenn ich mir von einem Baby sagen lasse, was hier gilt!“
Und langsam mag sich ein Gefühl einstellen. Ein Vers aus einem Lied drückt es so aus: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegnen Dir?“ (EG 11,1)
Wie kann das gehen?
Mach doch mal auf! Mehr muss doch gar nicht! Dieses Baby macht den Unterschied, Jesus ist der wahre Mensch. Und wahrer Gott. Ansonsten bleiben uns nur die Halbgötter, "Über-Menschen", "Unter-Menschen" – und die Hektik.
Uups! War ich zwischendurch weggedöst, während dieser Besinnung? Ich glaube ja. Dennoch: Es fühlt sich gerade anders an. Ich höre ein leises, aber kraftvolles O, du fröhliche. Und ertappe mich beim Mitsummen.
Wie damals, denke ich noch: Der Himmel dreht die Musik laut, damit alle es hören. Gott kann Mensch!
Was für ein Fest!
Frohe Weihnachten!

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