Cruz de Ferro


Cruz de Ferro

Karfreitag an einem Schutthaufen

 

Die Sonne brennt. Jill aus Schottland, Josef aus Düsseldorf und ich haben bereits 500 km hinter uns. Zu Fuß. Jetzt wird es immer gebirgiger. Wir sind auf über 1500m – es ist die höchste Stelle auf dem camino francés – dem klassischen Jakobsweg. Hier steht das Cruz de Ferro. Ein hoher Pfahl mit einem Kreuz aus Eisen. Auf einem Haufen Schutt. An diesem Kreuz kann man einen Stein ablegen als Symbol für alles Schwere, Schuld und Scheitern. Üblicherweise wird er von Zuhause mitgebracht.

Es wird still an der kleinen Kapelle daneben. Jeder von uns zieht sich zurück. Auch Tränen fließen.

Die meisten auf dem Jakobsweg sind irgendwann losgegangen, weil es so nicht mehr weiter ging. Die Last der Vergangenheit, das eigene Versagen, Kummer… jeder trägt hier was, viele schleppen sich ab.

So geht es nicht weiter. Mit meinen Sorgen. Meinem Unglück. Meinem Leben eben.

Klar, man kann versuchen,  den Tod Jesu am Kreuz zu erklären. Ein bisschen ratlos schauen wir darauf an Karfreitag. Etwas anderes ist jedoch das innere Gespräch mit dem Gekreuzigten. Ich versuche einfach nichts mehr zu erklären, zu begründen, zu rechtfertigen. Ich möchte nur aushalten bei diesem Geheimnis. Ein heiliger Tausch findet statt. Gott in seiner unbedingten Liebe lädt sich alles von mir auf. Und ich alles bei ihm ab. Er liebt sich an mir zu Tode. Bringt seinen Auftrag zuende.

Das Universum wird neu sortiert. Gott hat ein für alle Mal gehandelt. „Es ist vollbracht“ (vgl. Joh 19,30) sagt Jesus am Kreuz als er stirbt.

Als wir später am Cruz de Ferro wieder unsere Rucksäcke nehmen sind sie irgendwie leichter. Mindestens um den mitgebrachten Stein. Vielleicht aber auch grundsätzlich.

Wer nicht so weit will – und auch gar nicht muss – das innere Gespräch mit dem Gekreuzigten ist jederzeit möglich. Als Erinnerung an das Ein-für-Allemal Gottes gibt es den Karfreitag. Ich spüre in mir die Erleichterung und gehe ganz anders und neu ins Leben.

Jesus am Kreuz Foto: Ulrich Melzer
Jesus am Kreuz Foto: Ulrich Melzer

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